In Frankreich bietet das seit 2024 eingeführte Programm „Mon bilan prévention“ Menschen in vier Altersgruppen (18–25, 45–50, 60–65 und 70–75 Jahre) einen kostenlosen, individuell abgestimmten Beratungstermin. Dabei geht es um Ernährung, Schlaf, körperliche Aktivität, psychische Gesundheit, Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Gesundheit im Alltag beruht auf Gewohnheiten, die sich langfristig etablieren – nicht auf punktuellen Anstrengungen oder kostspieligen Lösungen.
Bewegungsmangel und körperliche Aktivität: zwei unterschiedliche Probleme, die getrennt angegangen werden sollten
Die meisten Ratgeber zur Gesundheitsvorsorge empfehlen, sich mehr zu bewegen. Das ist richtig, aber nicht vollständig. Die französische Krankenversicherung unterscheidet klar zwischen körperlicher Inaktivität (die empfohlenen Bewegungsrichtwerte nicht zu erreichen) und Bewegungsmangel durch langes Sitzen oder Liegen außerhalb der Schlafenszeit.
Sport am Morgen macht die Auswirkungen eines ganzen Tages vor dem Bildschirm im Sitzen nicht wett. Die Sitzzeit zu reduzieren ist genauso wichtig wie Sport zu treiben. Jede Stunde für ein paar Minuten aufzustehen, während eines Telefonats umherzugehen oder die Treppe zu nehmen: Solche kurzen Unterbrechungen wirken sich unabhängig von der Sporteinheit auf den Stoffwechsel aus.
Wenn Sie mehr über diesen Unterschied erfahren und Ihren Alltag entsprechend anpassen möchten, finden Sie unter den Gesundheitstipps von Santé et Forme Strategien, die sich auch bei einem vollen Terminkalender umsetzen lassen.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Zügiges Gehen, kurze Strecken mit dem Fahrrad oder Gartenarbeit erfüllen diese Vorgabe – ganz ohne Mitgliedschaft oder besondere Ausrüstung. Entscheidend ist nicht die Leistung, sondern die Regelmäßigkeit.

Erholsamer Schlaf: Was schon vor dem Zubettgehen eine Rolle spielt
Sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht gelten für Erwachsene weiterhin als Richtwert. Die Schlafdauer allein garantiert jedoch keine gute Schlafqualität. Was vor dem Einschlafen geschieht, hat großen Einfluss darauf, wie gut sich der Körper tatsächlich erholt.
Bildschirmnutzung in der Stunde vor dem Schlafengehen verzögert die Melatoninproduktion. Späte, üppige Mahlzeiten beanspruchen die Verdauung, obwohl der Körper eigentlich zur Ruhe kommen sollte. Regelmäßige Schlafenszeiten sind entscheidend für die Schlafqualität – mehr noch als die Schlafdauer selbst.
Ein selten angesprochener Faktor ist die Zimmertemperatur. Eine leicht kühle Umgebung (etwa 18 Grad) erleichtert das Einschlafen und verringert nächtliches Aufwachen. Dieser einfache Aspekt wird oft zugunsten von Nahrungsergänzungsmitteln vernachlässigt, deren Nutzen für gesunde Menschen umstritten ist.
Nahrungsergänzungsmittel und Schlaf: ein häufiger Irrweg
Die Anses weist darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel für Menschen mit einer abwechslungsreichen Ernährung in der Regel unnötig sind. Sie können sogar Risiken bergen, etwa Wechselwirkungen mit Medikamenten. Bevor man Melatonin-Kapseln kauft, sollte man seine Abendgewohnheiten anpassen – das bringt nachhaltigere Ergebnisse und keine Nebenwirkungen.
Ausgewogene Ernährung: mehr als nur Einkaufslisten
Die französischen Ernährungsempfehlungen sind bekannt: fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, weniger Salz, Zucker und gesättigte Fette sowie täglich mindestens 1,5 Liter Wasser. Diese Richtwerte gelten weiterhin. Bei der Umsetzung stellen sich jedoch ganz praktische Fragen.
- Wer Mahlzeiten für drei oder vier Tage im Voraus plant, kauft seltener spontan ein und wirft weniger Lebensmittel weg. So wird eine ausgewogene Ernährung auch finanziell leichter zugänglich.
- Am Wochenende größere Mengen zu kochen und für die Woche in Portionen aufzuteilen, nimmt abends die Ausrede, keine Zeit zu haben.
- Wer bei Eiweißquellen abwechselt (Hülsenfrüchte, Eier, Fisch), statt sich auf Fleisch zu konzentrieren, senkt sowohl die Kosten als auch das Risiko für die Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Das größte Hindernis ist nicht fehlendes Wissen, sondern die Organisation. Die meisten Erwachsenen kennen die Grundzüge einer gesunden Ernährung. Schwierig ist die tägliche Planung – besonders für Menschen mit wechselnden Arbeitszeiten oder für Alleinlebende.

Psychische Gesundheit und Stressbewältigung: ein unterschätzter Pfeiler der Prävention
Chronischer Stress wirkt sich auf das Immunsystem, die Schlafqualität, das Essverhalten und den Konsum von Alkohol oder Tabak aus. Stressbewältigung als bloßen Zusatz zu Ernährung und Sport zu behandeln, bedeutet, einen Faktor zu übersehen, der all diese Bereiche beeinflusst.
Einige Maßnahmen haben sich bei der Verringerung des empfundenen Stresses als hilfreich erwiesen:
- Ein Spaziergang im Freien – auch wenn er kurz ist – verbindet leichte Bewegung mit natürlichem Licht. Beides trägt zur Regulierung des Cortisolspiegels bei.
- Regelmäßige soziale Kontakte, die nicht unbedingt zahlreich sein müssen, gelten als belegter Schutzfaktor gegen Einsamkeit und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.
- Wer wiederkehrende Stresssituationen erkennt, kann sie verändern oder sich darauf vorbereiten, statt zu versuchen, einen Dauerzustand zu „bewältigen“.
Weniger zu rauchen und Alkohol zu trinken wirkt sich direkt auf das Stressempfinden aus, auch wenn diese Substanzen kurzfristig das Gegenteil zu bewirken scheinen. Alkohol beeinträchtigt den Tiefschlaf, während Tabak die Ruheherzfrequenz erhöht.
Mon bilan prévention: ein konkretes und kostenloses Angebot
Das Programm „Mon bilan prévention“ umfasst auch die psychische Gesundheit als Gesprächsthema beim Beratungstermin. Dabei lassen sich gemeinsam mit einer medizinischen Fachkraft persönliche Prioritäten festlegen. So vermeiden Sie, Ihre Kräfte auf zu viele Veränderungen gleichzeitig zu verteilen.
Gewohnheiten, die langfristig schützen, erfordern weder ein besonderes Budget noch außergewöhnliche Willenskraft. Sie beruhen auf gezielten Anpassungen, die dauerhaft beibehalten und an die Lebensumstände der jeweiligen Person angepasst werden. Der kostenlose Vorsorgetermin ist ein konkreter Einstieg für alle, die nicht wissen, wo sie anfangen sollen.



